Siemens-Pensionäre erkunden Solartechnik

Es ist überraschend, denn man erwartet es nicht!
Mitten im Ruhrgebiet sind die europaweit größten Aktivitäten in der Solartechnik entstanden.
Dabei handelt es sich um eine regenerative, umweltschonende und zukunftsweisende Energietechnik.

NRW - als stärkste Energieregion Europas und als bisheriges Zentrum der europäischen Kohle- und Stahlindustrie - hat sich nunmehr zum Standort für neue Zukunftstechnologien entwickelt.

Die Siemens-Pensionäre der Zweigniederlassung Dortmund wollten der Sache nachgehen und führten deshalb unter sachkundiger Leitung eine Excursion in das Solardreieck Emscherpark bei Gelsenkirchen und Herne durch.

Die früheren Ingenieure und Techniker im Bereich der Energietechnik wollten es genau wissen.
Photovoltaik heißt das Stichwort - die unmittelbare Stromerzeugung durch Sonnenenergie.

Was bringt die Forschung für die Zukunft?

Wie werden die Solarzellen hergestellt?

Welche Solarmodule sind wirtschaftlich sinnvoll einsetzbar?

Eine Reise in die Zukunft gab den über 40 Teilnehmern tiefe Einblicke in die heute auch schon industrielle Bedeutung der Solartechnik. Die Politik unterstützt diese Technologie u.a. mit dem Programm der 100.000 Dächer.

Funktioniert das auch in NRW?
Die Antwort lautet „JA“ - auch wegen der Deckung des individuellen Energiebedarfs in Häusern und der Subventionierung bei der Stromeinspeisung in das öffentliche Netz.
Und das Wetter spielt in diesen Breitengraden auch mit.

Im „PIZ“ - dem Photovoltaik Informationszentrum der Deutschen Shell in Gelsenkirchen- konnte man sich in einer informativen Multimedia-Show über erneuerbare Energiequellen, zu denen neben der Sonne auch Wind, Wasser, Biomasse und Geotherme gehören, informieren.

Hier wurde die Herstellung der Solarzellen, deren Ausgangsmaterial Quarzsand (Silizium) ist, gezeigt. Dieses Element der Erdkruste, das genau so verfügbar ist wie die Sonnenkraft, wird nach der Reinigung zuerst zu einem Block gepresst, danach in Säulen geformt und anschließend in dünne Scheiben zersägt. Diese Siliziumscheiben sind das Ausgangsprodukt für die Solarzellen, nachdem sie in einem aufwendigen Prozess behandelt wurden.

Per Videokamera hatte man online einen direkten Einblick in die zur Zeit weltweit größte und modernste Produktionsanlage für Solarzellen der Shell AG, die voll automatisiert geführt wird. Mehr als 50.0 Mio DM wurden in die neu entwickelte Produktionstechnolgie investiert.

Wir haben erfahren, daß Siemens - als bisher weltweit größter Hersteller von Solarzellen - mit Shell Gespräche führt über eine Zusammenarbeit und gemeinsame Entwicklung der neuen Generation der Solarzellen.

Auf dem Dach des PIZ wurde die praktische Nutzung der Sonnenenergie als Dach- oder Fassadensystem für unsere Breiten, als dezentrale Stromversorgung und als Minikraftwerk für die Energieversorgung in Entwicklungsländern aufgezeigt.

 An vielen praktischen Beispielen konnte man der Spielleidenschaft frönen und die Wirksamkeit der Sonneneinstrahlung ausprobieren.

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 Direkt neben dem PIZ befindet sich auf dem Gelände der Flachglas AG die neue Solarfabrik der Firma FLABEG. Hier werden kundenspezifische Solarmodule hergestellt und in die ganze Welt geliefert.

 In noch aufwendiger Handarbeit werden automatisch gefertigte Stränge von Solarzellen je nach gewünschter Leistung verschaltet und verlötet. Zum Schutz vor Umwelteinflüssen erfolgt die Einbettung der sehr empfindlichen Kristallscheiben zwischen zwei Glasscheiben, die anschließend mit Gießharz verfüllt werden.

 Jedes Solarmodul ist ein kleines Kraftwerk, das nach individuellen Kundenwünschen bis zu einer Größe von 3x4 Meter hergestellt werden kann. Einsatzfälle sind zum Beispiel mobile Einrichtungen für Boote und Autos, Verkehrsüberwachungsanlagen, Fassadengestaltungen und Dächer.

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 Im Wissenschaftspark Gelsenkirchen laufen zukunftsweisende Forschungsaktivitäten rund um die Photovoltaik zusammen. Hier werden Konzepte für die Praxis geschmiedet, Marketing, Energie- und Produktionstechnik verknüpft.

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 Der Höhepunkt des Tages war der Besuch der Akademie Mont-Cenis auf dem Gelände der ehemaligen Zeche in Herne.
Die kühne Architektur des neuartigen Gebäudekonzeptes ist weithin sichtbar und zeigt die konsequente Anwendung licht- und lüftungstechnischer Möglichkeiten.

 Die riesige gläserne Mikroklimahülle, gestützt von einer Holzkonstruktion aus 130 Jahre alten Fichtenstämmen aus dem Sauerland, wölbt sich über einfache Gebäude, die von Holzterrassen umgeben sind. Eine Flaniermeile mit Palmen, Wasserspielen und Boulebahnen läßt die Arbeit in der Fortbildungsakademie des Innenministerium von NRW und der städtischen Einrichtungen angenehm erscheinen - zumal sich in dem Glashaus ein Hotel, ein Casino und eine Cafeteria befinden.

 Mit Hilfe des weltweit größten dachintegrierten Solarkraftwerkes, das eine Stromerzeugung mit einer Leistung von 1 Megawatt erbringt, wurde eine klimatische Situation mit mediterranen Werten wie in Nizza bewirkt. Bemerkenswert ist, daß die Stromproduktion des Solardaches den eigenen Bedarf übersteigt.

Zum Energiepark Mont-Cenis gehören noch Blockheizkraftwerke, die aus den Schächten der ehemaligen Zeche mit Methangas betrieben werden und die umliegenden Siedlungen mit Strom und Wärme versorgen.

Leitgedanke dieses Gesamtprojektes war ein Forschungsauftrag der Europäischen Gemeinschaft, um die Durchführbarkeit des neuartigen Umweltkonzeptes der „mikroklimatischen Hülle“ wissenschaftlich zu untersuchen.
Wenn jedoch die neuen - das Klima und die Umwelt schützenden - Energiequellen mit Sonne, Wind, Wasser und regenerativer Biomasse voll einsatzfähig sind, können wir getrost hoffen, daß unsere nachkommenden Generationen nicht unbedingt gezwungen sein werden, zu solchen „Glashäusern“ Zuflucht nehmen zu müssen - denn Mont-Cenis erinnerte doch ein wenig an „Big Brother“ und könnte eine Einschränkung der persönlichen Freiheit sein.

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Auch wenn der enorme Bedarf an Strom in der ganzen Welt nicht nur durch Sonnenenergie gedeckt werden kann, bietet sich doch durch die Photovoltaik eine reelle Alternative in ganz speziellen Fällen und insbesondere in den sonnenreichen Entwicklungsländern.

Das Ruhrgebiet ist bei der Solartechnik ganz vorn mit dabei. Es ist ein weiterer Schritt getan, den Strukturwandel nach neuen Technologien umzusetzen.

Friedhelm Schmitt     Tel. / Fax.   0231 / 44 57 26

Diese Siemens-Pensionäre erkundeten die Solartechnik.

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