Studienfahrt
Danzig-Masuren-Posen
Eine
Reise in die Vergangenheit - oder in eine neue Zeit
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Senioren der Siemens-Zweigniederlassung Dortmund unternahmen eine
Studienreise in das nördliche Polen. Sie wollten Land und Leute
des östlichen Nachbarn und des künftigen EU-Partners kennenlernen
und die politischen und wirtschaftlichen Aspekte erfahren.

Diese Siemens-Pensionäre
nahmen an der Studienfahrt Danzig-Masuren-Posen teil.
Mit
gemischten Gefühlen haben einige Teilnehmer die Eindrücke
dieser Reise aufgenommen. Sahen sie doch die alte Heimat nach vielen
Jahren wieder. Es kamen rege Erinnerungen aus den Tagen des 2. Weltkrieges
und danach. Sie waren Soldat, im Arbeitsdienst oder in der Kinderlandverschickung.
Wenig hatte sich verändert, einiges wurde wiedererkannt.
Und dann die Erwartung: Wie ist es heute?
Uns
ist aufgefallen, wie sich die einzelnen Regionen doch unterschiedlich
entwickelt haben. Es ist noch wenig persönliche Initiative zur
Pflege und Restaurierung der Bauten entwickelt.
Die Behörden bieten dazu auch keine Anreize.
Ebenso hat sich das Umweltbewusstsein noch wenig an den westlichen
Standard angepasst.
Die
Kirchen unternehmen viel, um die Gotteshäuser zu erhalten. Alles
geschieht mit eigenen Mitteln und durch Spenden, weil keine staatliche
Kirchensteuer erhoben wird.
Trostlos
sah es in der Gegend um Stettin aus - im Grenzgebiet. Je weiter wir
nach Osten fuhren, um so so >kultivierter< wurde die Landschaft.
Riesige Getreidefelder in Pommern, gepflegte Dörfer, viele Störche
- zweimal mit Sturzangriff auf unseren Bus. Die verarmte, ausgestorbene
Landwirtschaft in Masuren überraschte uns. Dagegen erfreulich
zu sehen die vielfältige Landwirtschaft im Ermland und im Kulmer
Land.
Intensive
Industrie gibt es rund um Posen.
Wir
sahen - trotz der Pflanzenvielfalt - verkarstete Felder, verfallene
Gehöfte und große Stallungen. Der Grund ist, dass es nach
der Wende keine Subventionen mehr gibt. Die Bauern haben keine Chance
gegen die Preise aus dem Westen. Polen importiert inzwischen Fleisch
und Agrarprodukte billiger, und in der ehemaligen Kornkammer Europas
arbeitet noch kaum jemand in der Landwirtschaft. Der Arbeitsaufwand
und die Kosten übertreffen den Ertrag. Früher gab es LPG´s,
heute gibt es kaum Genossenschaften. Der Anbau von Raps - als neue
Chance für die Ölproduktion - besteht erst seit etwa 10
Jahren.
Es
leben überwiegend alte Leute hier. Sie erhalten eine Rente und
decken landwirtschaftlich nur noch den Eigenbedarf. Die jungen Leute
sind in die großen Städte gezogen.
Die
Stadtführung in Stettin zeigte, dass die Verwaltung noch viel
tun muss, um den Tourismus anzulocken. Dann ging die Reise nach Danzig.
Über
Danzig kann man nur positiv berichten. Enorm, mit wie viel Liebe zum
Detail man die in den letzten Kriegstagen ausgebrannte Innenstadt
wieder ursprünglich aufgebaut hat.
Der
Besuch des altbekannten Seebades Sopot und das Orgelkonzert in dem
ehemaligen Zisterzienser-Kloster und heutiger Bischofskirche in Oliva
ließ uns den Ruhm früherer Tage spüren.
Imposant
ist die Marienburg mit der Baukunst des mittelalterlichen Ritterordens.
Höhepunkt
der Reise war sicherlich die Schifffahrt über die Rollberge zu
unserem Standquartier für 5 Tage in Nikolaiken an den masurischen
Seen. Mit fünf Hebungen werden ca. 100m Höhenunterschied
bewältigt - und das mit einer hydraulischen Technik von 1880.
Von hier aus haben wir drei Ausflüge mit dem Schiff - exklusiv
für uns gebucht - gemacht. Natur pur - fast unberührte Landschaft
- keine bebauten Ufer - Wälder bis an das Wasser heran und erstaunlicherweise
keine Mücken. Ein wahnsinnig-ideales Segelrevier. Auf den ehemaligen
landwirtschaftlichen Feldern hat sich die Natur mit Heide und Mischwald
ihren Anspruch wieder zurück geholt. Leider zeigt der Tourismus,
trotz aller Sorgfalt, erste Spuren. Es fahren bereits Sportboote auf
den Gewässern.
Beeindruckt
waren wir von dem Besuch der Wolfsschanze - im 2. Weltkrieg das ehemalige
Führerhauptquartier. Man kann dazu stehen wie man will. Tatsache
ist, dass es historischer Boden ist und dass hier ein Attentatsversuch
misslang.
Die
bekannteste Wallfahrtskirche im nördlichen Polen - Heiligelinde
- imponierte durch die herrliche Orgel und die Darbietung eines hervorragenden
Konzertes.
Nach
dieser 8-tägigen Reise (insgesamt 3.100 km) waren manche Vorurteile
widerlegt.
Wir
haben ein weitbesiedeltes Land mit schöner, abwechslungsreicher
und fast unberührter Natur gesehen. Es muss aber auch festgestellt
werden, dass der Abschied von der Planwirtschaft und die Herausforderung
des eigenen Entscheidens den Menschen noch viele Probleme bereitet.
Es muss noch viel getan werden, um fast 12 Jahre nach der Wende den
Anschluss an den Westen zu gewinnen.
Die
Öffnung für die EU ist erkennbar. Hervorzuheben ist die
Gastfreundschaft, besonders der jüngeren Generation, uns Deutschen
gegenüber. Leider gibt es noch Sprachprobleme im täglichen
Umgang in Geschäften und Restaurants. Erstaunlich auch die objektiven
Berichte und Darstellungen der örtlichen Reisebegleiter.
Die
Teilnehmer waren sich einig, nun auch den Süden von Polen in
den nächsten Jahren zu bereisen.
Friedhelm
Schmitt
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